Herrschaft im Frühmittelalter: Die Karolinger

Kontinuität und Diskontinuität: Die unvermeidliche Auseinandersetzung mit römischem Erbe

Zu Beginn des vierten nachchristlichen Jahrhunderts zu Zeiten des Kaisers Konstantin I., des Großen, überwog für die allermeisten in Westeuropa sowie rund um das Mittelmeer lebenden Menschen eine gemeinsame Realität. Sie lebten, ob sie nun wollten oder nicht, ob sie dem althergebrachten heidnischen Götterglauben oder der neuartigen, aus dem Nahen Osten stammenden christlichen Glaubensgemeinschaft anhingen, in einem einheitlichen Herrschaftsraum, demjenigen des Imperium Romanum. Und hatten dadurch nahezu allesamt ihren Anteil an den sich beispielsweise im charakteristischen Städtewesen sich unnachahmlich äußernden zivilisatorischen Errungenschaften, ebenso wie an den etwa durch funktionierende Fernhandelsbeziehungen bestimmten ökonomischen Möglichkeiten der römischen Welt. Wenigstens theoretisch. Doch das vermeintlich faktisch Unumstößliche hatte längst Risse bekommen. Zwar hat Konstantin im Rahmen seiner bis 337 andauernden Herrschaft die auf eine Verteilung der Verantwortlichkeiten hinauslaufenden Ideen (Tetrarchie) seines Vorgängers Diokletian erfolgreich korrigieren können, noch einmal das Rad der Geschichte zurückgedreht, doch die nur wenige Jahrzehnte später seit den 370er Jahren unablässig die Flussgrenzen von Rhein und Donau trotz Abwehrmaßnahmen überwindenden vitalen Stammesverbände der Völkerwanderungszeit verfolgten eine davon weitgehend unbeeindruckte Agenda. Gleichviel, ob nun von Osten aus den Steppen Innerasiens nachrückende Stämme wie die gefürchteten Hunnen, existentielle Not oder die allzu verständliche Aussicht auf das ersehnte Wahrnehmen grundsätzlich besserer Lebensbedingungen inner- und nicht mehr außerhalb der römischen Welt das hauptsächliche Motiv der Goten, Franken, Burgunder, Vandalen, Sueben, Alemannen, Sachsen, Jüten, Angeln, Friesen, Langobarden und anderer mehr gebildet haben. Einer der Nachfolger Konstantins, Theodosius I., wiederum als der Große bekannt, sah sich 395 schließlich dazu gezwungen, die Teilung des Imperium Romanum in ein West- und ein Oströmisches Reich endgültig zu vollziehen. In der Erkenntnis, dass die drängendsten Aufgaben besser von mehreren Zentren aus zu bewältigen wären. Was ganz wesentlich als Maßnahme zum wirkungsvolleren Schutz vor Bedrohungen der Außengrenzen gedacht war, hat, wie wir wissen, die mehrtägige Besetzung Roms 410 durch die Westgoten unter Alarich, den allmählichen Niedergang nicht mehr verhindern können.

Während dem Weströmischen Reich am Ende des Tages keine allzu lange Lebensdauer mehr beschieden war, erfreute sich im Gegensatz dazu das Oströmische Reich mit dem urbanen Mittelpunkt Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, für weitere eintausend Jahre an einer auskömmlichen Existenz. Die das jeweilige Ende verursachenden Ereignisse werden durch die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch Odoaker 476 und die Eroberung von Byzanz durch die Osmanen 1453 recht eindeutig markiert. Wobei wir eben – solange römisches Bewusstsein, eine an den glorreichen Leistungen der am Tiber einst beheimateten Vorväter stark orientierte Geisteshaltung am Bosporus, noch überwog – also ungefähr bis zur Mitte des siebten nachchristlichen Jahrhunderts, von oströmischer Geschichte und erst danach, seitdem dezidiert griechisch geprägte Traditionen den Ton angaben, in der historischen Forschung von byzantinischer Geschichte sprechen. Besagte griechisch geprägte Traditionen, womit vor allen Dingen die Verwendung ebendieser Sprache und Schrift gemeint ist, waren selbstredend nicht urplötzlich in der Welt, sondern können auf weite Verbreitung im ostmediterranen Raum seit den Tagen Alexanders und der ihm nachfolgenden Diadochen zurückgeführt werden. Wir bezeichnen diese spezifische kulturelle Ausprägung seit dem 19. Jahrhundert als Hellenismus. 

Der einheitliche römische Herrschaftsraum Konstantinischer Zeit (s. o.) hatte sich also inzwischen erheblich gewandelt bzw. war im Begriff, sich nachhaltig weiter aufzuspalten. Auf den ersten, den oströmischen Machtfaktor (s. Abb. 1, orange eingefärbt) wurde bereits verwiesen. Als bedeutendster und langlebigster einheitlicher Herrschaftsraum in der Nachfolge römischen Erbes im Westen hingegen ist das Königreich der Franken unter den Merowingern und den ihnen nachfolgenden Karolingern anzusehen (s. Abb. 1, violett eingefärbt).

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1. Europa, Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten im 7./8. Jahrhundert.

Andere territorial umfassende Herrschaftsbildungen germanischer Stammesverbände der Völkerwanderungszeit konnten sich auf lange Sicht nicht so erfolgreich wie die Franken – neben den Oströmern im Frühmittelalter der zweite Machtfaktor von Bedeutung – behaupten. Blickt man beispielsweise auf das einen breiten fruchtbaren Küstengürtel im heutigen Tunesien, Algerien und Libyen einnehmende, seit 439 von Geiserich begründete Königreich der Vandalen, so war diesem nur eine Existenz von rund hundert Jahren beschieden. Solange, bis es in den Fokus der Rückeroberungspläne des oströmischen Kaisers Justinian und die seines Feldherrn Belisar geraten ist, denen es ein zentrales Anliegen war, die frühere wegen ihres landwirtschaftlichen Reichtums hochgeschätzte römische Provinz wiederum dem eigenen Machtbereich zuzuschlagen.

Doch nach 170 Jahren um das Jahr 700 herum änderte sich die Lage erneut. Die arabische Expansion bemächtigte sich nach mehreren zunächst vergeblichen Anläufen ganz Nordafrikas. 709 war nur noch Ceuta, die heutige spanische Enklave jenseits Gibraltars unabhängig. Kurz darauf setzten Araber und inzwischen islamisierte Berber auf die Iberische Halbinsel über, um in der Folge das Westgotische Königreich unter Roderich in den Grundfesten zu erschüttern und zu zerstören. Die seitens der ursprünglich von der Arabischen Halbinsel stammenden Invasoren – dem dritten wesentlichen Machtfaktor des Frühmittelalters – siegreich bestrittene Schlacht am Río Guadalete 711, in der heutigen Provinz Cádiz in Andalusien, leitete den Untergang des Westgotischen Königreiches ein und führte anschließend zur fast vollständigen Eroberung aller Gebiete südlich der Pyrenäen. Fast! Denn noch im Untergang regte sich entschiedener Widerstand, mit dem die gleichzeitigen mindestens symbolischen Anfänge der Reconquista, der christlichen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts andauernden Rückeroberung des Landes, verbunden sind. Asturer unter Führung des romanisierten, einst der Leibgarde Roderichs angehörenden Westgoten Pelayo, eigentlich Pelagius, verstanden es, in der Schlacht von Covadonga um 720 ein entsprechendes Zeichen zu setzen. Nördlich der Pyrenäen kommt noch immer der Schlacht bei Poitiers und Tours 732 die Bedeutung eines Wendepunktes zu, der muslimische Verbände am weiteren Vordringen nach Norden gehindert hat. Dafür ist der fränkische Hausmeier karolingischer Abkunft Karl Martell – als Inhaber eines der wichtigsten Hofämter eine Art von Stellvertreter des merowingischen Königs – mitsamt seiner gepanzerten Kavallerie jahrhundertelang als Retter des Abendlandes gefeiert worden.

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2. Pelayo, Held von Covadonga.

Für die notwendige dauerhafte Finanzierung ihrer personell starken Heeresverbände konnten sich Araber und auch Oströmer in sehr vielen der von ihnen kontrollierten Regionen am bereits vor Jahrhunderten implementierten Steuersystem des Imperium Romanum orientieren, das abseits einer oft unterschätzten Variationsbreite in der Hauptsache auf einer Kopf- und Grundsteuer beruht hat. Kleinasien, Naher und Mittlerer Osten und selbst Nordafrika unterschieden sich damals durch einen signifikant höheren Urbanisierungsgrad vom lateinisch geprägten Westen mit den Ausnahmen Italiens, Spaniens und Südfrankreichs. Und, was für Fragen der Steuerhebung viel entscheidender war, aufgrund einer erheblich höheren Wirtschaftskraft. Die Franken dagegen haben in aller Regel keine Steuern erhoben, ihr Heereswesen beruhte auf Gefolgschaftsbeziehungen. Geleistete gute Dienste wurden im Falle eines Falles durch die Zuweisung von Landbesitz abgegolten, worauf der britische Mediävist Chris Wickham in „Das Mittelalter. Europa von 500 bis 1500“ verwiesen hat. Wir können uns lebhaft ausmalen, welche negativen Konsequenzen diese Tatsache für die alltägliche profane Verwaltungspraxis in der fränkischen Welt außerhalb der von Ordnungsvorstellungen eigener Art bestimmten kirchlichen Sprengel mit sich gebracht haben muss. 

Die Karolinger greifen nach der Herrschaft

Es ist wenig schmeichelhaft, was der von 770 bis 840 lebende Gelehrte Einhard, Verfasser einer Biographie Karls des Großen, über den letzten regierenden König der Merowinger, Childerich III., mitteilt. Angeblich habe er mit langem Haar und struppigem Bart auf seinem Thron gesessen und anwesenden auswärtigen Gesandtschaften vorgefertigte Antworten erteilt. Anstatt wie ein König hoch zu Ross sei er wie ein einfacher Bauer wenig majestätisch in einem Ochsenkarren durch die Lande gezogen. Die üble Nachrede mag ein wenig übertrieben sein, doch illustriert sie anschaulich die mit Händen zu greifende Machtlosigkeit des letzten Merowingerherrschers, später Nachfahr des allseits geachteten und gleichermaßen gefürchteten Chlodwig.

Aus innerfamiliären Zwistigkeiten mit seinen Brüdern Karlmann und Grifo ging der zweitgeborene Sohn Karl Martells, der in Saint-Denis nördlich von Paris erzogene Pippin der Jüngere als Sieger hervor. Nicht allein zufrieden damit wie sein Vater, der vielbewunderte Held von Poitiers und Tours, das Amt des Hausmeiers zu bekleiden, sondern nach Höherem strebend, schickte besagter Pippin eine Gesandtschaft nach Rom, um dortselbst von Papst Zacharias in Erfahrung zu bringen, wer geeigneter sei König zu sein: Derjenige, der die Macht habe oder derjenige, der bloß den Titel trüge? Der Papst ließ sich nicht lumpen und antwortete ganz in Pippins Sinn. Childerich III. wurde ob dieser günstigen Prognose ins Kloster verbannt, nachdem ihm zuvor das lange Haupthaar abgeschnitten und der Kopf geschoren worden war. Eine im November 751 in Soissons sich einfindende Versammlung der Franken rief Pippin im Anschluss zum ersten karolingischen König aus.

Die zwischen dem Nachfolger Petri und dem französischen König bzw. dem deutschen Kaiser das ganze Mittelalter hindurch und noch darüber hinaus bestehende special relationship hat seinerzeit ihren Anfang genommen. Den Anlass dazu gaben die Italien nach wie vor heimsuchenden Langobarden, mit denen die Völkerwanderung zwar ihren Abschluss gefunden hat, einstweilen aber den Papst zu einem dringenden Hilfsersuchen an Pippin nötigten: „Ich, der Apostel Petrus, (…) der ich euch zu Söhnen annahm, (…) der ich euch Franken mir unter allen Völkern erwählte, (…) ich dränge und mahne euch, (…) schützt mein Volk, (…) verteidigt Rom (…) und die Römer, eure Brüder, vor den ruchlosen Langobarden! (…) Kommt, kommt, bei dem lebendigen und wahren Gott, ich beschwöre euch, kommt, helft, bevor der Lebensborn, aus dem ihr trinkt und wiedergeboren werdet, versiegt, bevor der letzte Funke der hellen Flamme verglüht, die euch leuchtet, bevor eure geistliche Mutter, Gottes heilige Kirche, (…) geschändet wird.“ Der eindringlichen Rhetorik mochte der Adressat sich nicht verweigern, so dass es bald darauf zu den ersten beiden Heereszügen über die Alpen kam. Mir dem erklärten Ziel in Italien wieder Ruhe und Ordnung obsiegen zu lassen. Und nicht zuletzt, um den Papst in seiner keineswegs unanfechtbaren, insbesondere von Byzanz aus kritisch beäugten Stellung zu stärken, wozu 756 die Zuweisung mittelitalischer Gebiete als eigenes Herrschaftsgebiet – bekannt geworden als Pippinische Schenkung – gehört hat. Damit sind die Anfänge des bis 1870 bestehenden Kirchenstaates bezeichnet.

Nach dem Tod des Vaters 768 und des jüngeren Bruders Karlmann 771 blieb als Alleinherrscher des Frankenreiches nur noch Karl, späterhin als der Große verehrt, übrig. Er sollte für die kommenden Jahrzehnte eine Ära prägen. Durch den Biographen Einhard sind wir einigermaßen gut über seine äußere Erscheinung informiert. Ausgestattet mit breiten, kräftigen Schultern soll er ein ausgezeichneter Reiter, Jäger und Schwimmer gewesen sein. Tagelange Märsche ertrug er mit stoischem Gleichmut ohne äußere Anzeichen von Erschöpfung; gekleidet in ein einfaches Leinenhemd, umwickelte Hosen und derbes Schuhwerk wirkte Karl in puncto Prachtentfaltung wie der personifizierte Gegenentwurf zum byzantinischen Kaiser. Offenbar konnte er seine athletische Erscheinung bis ins höhere Alter bewahren, ein Hufeisen mit bloßen Händen zerbrechen, was gewiss vielen Personen aus dem unmittelbaren Gefolge gehörigen Respekt abgenötigt hat. 

Lassen wir noch einmal Einhard zu Wort kommen, um den während seiner 47 Regierungsjahre realisierten Tatenkatalog zu vergegenwärtigen: „Dadurch gelang es ihm, das Frankenreich (…) beinahe um das Doppelte zu vergrößern. Er unterwarf durch die geschilderten Kriege zuerst Aquitanien, das Baskenland, die Pyrenäen und das dahinterliegende Gebiet bis zum Ebro (…), hierauf ganz Italien, das sich von Aosta bis nach Unterkalabrien, wo die Griechen und Beneventaner aneinandergrenzen, über tausend römische Meilen erstreckt, sodann Sachsen; außerdem die beiden Pannonien, und das auf dem anderen Donauufer liegende Dacien, ebenso Istrien, Liburnien und Dalmatien, mit Ausnahme der Seestädte, die er dem Kaiser von Konstantinopel aus Freundschaft und mit Rücksicht auf das mit ihm geschlossene Bündnis überließ. Schließlich machte er sich die wilden Barbarenstämme, die Germanien zwischen Rhein und Weichsel, dem Meere und der Donau bewohnen, tributpflichtig; mit den bedeutendsten dieser Völkerschaften, den Weletaben, Sorben, Abodriten und Böhmen, führte er Krieg und machte sie zinspflichtig, die übrigen, eine weit größere Zahl, unterwarfen sich ihm ohne Kampf.

Den Glanz seiner Regierung hob er ferner durch Freundschaftsbündnisse mit verschiedenen Königen und Völkern. Alfons, den König von Galicien und Asturien, wusste er so an sich zu fesseln, dass sich dieser in allen Briefen und Gesandtschaften (…) als ganz der Seine bezeichnen ließ. Die Könige der Schotten hatte er sich (…) so gefügig und geneigt gemacht, dass sie ihn immer ihren Herrn, sich selbst aber seine Untergebenen und Knechte nannten (…). Mit dem Perserkönig Harun al Raschid, der mit Ausnahme Indiens fast den ganzen Orient beherrschte, hatte er einen so harmonischen Bund geschlossen, dass dieser seine Huld der Freundschaft aller Könige und Fürsten des Erdenrunds vorzog.“

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3. Silberdenar aus der Zeit von 804 bis 814. Karl der Große als Kaiser (Inschrift: KAROLUS IMP AUG) trägt den Feldherrnmantel (paludamentum) römischer Imperatoren und den Sieghaftigkeit symbolisierenden Lorbeerkranz.

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4. Karl der Große im Krönungsornat. Bildnis aus der Renaissance.

Der derart Gehuldigte rief – die Wichtigkeit des Themas Bildung für das Wohlergehen der Bevölkerung anerkennend – Gelehrte aus allen Himmelsrichtungen an seinen immer mehr Züge einer Residenz annehmenden Hof nach Aachen. Dazu gehörten Peter von Pisa, Paulus Diaconus, Paulinus von Aquileia, der Ire Clemens, der Westgote Theodulf von Orléans und der Angelsachse Alkuin. Sie alle und noch viele mehr leisteten ihren Beitrag dazu, dass zukünftig eine korrekte Sprache, ein von lästigen Fehlern befreites Latein in den feierlichen Gottesdiensten zu hören war, die Beherrschung der Grundregeln antiker Rhetorik – ausgerichtet an wiederentdeckten Schriften des klassischen Altertums – die intellektuelle Schulung besonders begabter Heranwachsender nach Jahrhunderten des Stillstands von neuem bestimmte. Die entsprechenden Bemühungen wurden derart intensiviert, dass manche Historiker von der Karolingischen Renaissance sprechen.

Die am Weihnachtstag des Jahres 800 vollzogene Kaiserkrönung durch Papst Leo III. kann man nicht zuletzt unter dem Aspekt der Schwierigkeiten betrachten, in die dieser höchste kirchliche Würdenträger des Westens durch unsittlichen Lebenswandel geraten war. So lautete jedenfalls der Vorwurf. Ein möglicherweise anzuberaumender Prozess verlangte römischen Rechtsvorschriften zufolge nach der Autorität eines Imperators und Augustus. Den gab es aber nicht. Er musste erst durch verschiedene zeremonielle Akte erschaffen werden. Leo III. gelang es in diesem Zusammenhang die von ihm selbst zu vollziehenden Schritte der Salbung und Krönung in ihrer Bedeutung zum päpstlichen Exklusivrecht zu erhöhen, wohingegen die ebenfalls dazugehörige Ausrufung durch das Volk (Akklamation) und die Lobeshymnen durch den Klerus (Laudes) in den Hintergrund gedrängt wurden. Karl der Große war seit der Absetzung von Romulus Augustulus 476 nach 324 Jahren wieder der erste Kaiser im lateinischen Westen, doch auch der Papst hatte seine eigene Stellung für das gesamte Mittelalter gestärkt.

Karls Tod 814 bedeutete, dass sein Sohn Ludwig der Fromme die Herrschaft übernahm. Zwistigkeiten unter seinen Söhnen bei Ludwigs Tod mündeten in den Teilungsvertrag von Verdun 843. Die Reichseinheit war endgültig dahin. Karl II., genannt der Kahle, erhielt den westlichen Reichsteil, Lothar I. den mittleren und Ludwig II., genannt der Deutsche, bekam den östlichen Reichsteil. Damit waren die frühen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich ganz unterschiedliche Reiche entwickeln konnten, die Keimzellen der späteren Nationalstaaten Frankreich und Deutschland.

Bildnachweis © 1 Qualimac, CC BY-SA 4.0, unverändert; 2 Zarateman, CCO, unverändert; 3 PHGCOM, gemeinfrei; 4 Albrecht Dürer, gemeinfrei;

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