Immer wieder Italien
Seit der Kaiserkrönung Karls des Großen durch Papst Leo III. am Weihnachtstag 800 in Rom waren mehr als 350 Jahre vergangen, als der aus dem Adelsgeschlecht der Staufer stammende römisch-deutsche König Friedrich I. sich 1155 anschickte ebenfalls die Kaiserkrone aus den Händen des Nachfolgers des Apostelfürsten Petrus zu empfangen. Doch in der Zwischenzeit war vieles geschehen.
Das einst auf den Trümmern des spätantiken Weströmischen Reiches vom Merowinger Chlodwig expansiv ab 486 vergrößerte Fränkische Reich mit seinem anfänglichen geographischen Schwerpunkt im nördlichen Gallien, am Nieder- und Mittelrhein sowie an der Mosel hat sich auch unter der nachfolgenden Herrscherdynastie der Karolinger immer weiter, insbesondere nach Osten und Süden, ausgedehnt (s. Abb. 4). Es war einem Sohn Karl Martells, des respektierten und hochberühmten Siegers von Tours und Poitiers über die bis dahin auch nördlich der Pyrenäen auf dem Vormarsch befindlichen Muslime, schließlich vorbehalten, 751 anlässlich einer Versammlung in Soissons eine neue Ära einzuläuten. Die Rede ist von Pippin dem Jüngeren, der schon bald darauf in seiner neu gewonnenen Eigenschaft als fränkischer König vom Papst Stephan II. um Beistand und Hilfe gegen die Langobarden in Italien angerufen wurde („der ich euch Franken mir unter allen Völkern erwählte, (…) verteidigt Rom (…) vor den ruchlosen Langobarden!“). Pippin verweigerte sich nicht. Was die den dynamischen Prozess der sogenannten Völkerwanderung zum Abschluss bringenden germanischen Stammesverbände der Langobarden an kirchlichen Territorien besetzt hielten, musste zurückgegeben werden. Mehr noch: Im Rahmen der sogenannten Pippinischen Schenkung 756 wurde weite Teile Mittelitaliens dem Papst überlassen (Pentapolis, Tuszien, Venetien, Istrien, Exarchat von Ravenna). Womit gemeinsam mit dem Dukat von Rom der Anfang des bis 1870 bestehenden Kirchenstaats (s. Abb. 5) gemacht war.
Als Schutzherr der Römer einschließlich des bedeutendsten, am Tiber residierenden Kirchenfürsten wurde nicht nur Pippin, sondern ebenso sein Sohn Karl der Große angesehen. Nach einer erneut notwendig gewordenen fränkischen Invasion in Nord- und Mittelitalien erneuerte dieser das Schenkungsversprechen des Vaters und ließ sich nach der Einnahme der Hauptstadt Pavia zum „König der Franken und Langobarden“ erheben. Dennoch sollte die Tragweite des nächsten, vielleicht nur logisch und konsequent erscheinenden Schrittes, desjenigen der Kaiserkrönung Karls 800 in Rom (s. o.) nicht unterschätzt werden. Denn im Sinne einer Tranlatio imperii, einer Übertragung des Reiches, kam darin die Idee zum Ausdruck, dass das Imperium Romanum gar nicht untergegangen, sondern dass die einst von Augustus als „primus inter pares“ („Erster unter Gleichen“) in Form des Prinzipats realisierte, in der Spätantike als Dominat (Theodor Mommsen) in Richtung einer autoritäreren Herrschaftspraxis modifizierte römische Kaiserwürde lediglich erneuert und auf die Franken übergegangen sei. Der zwar nach wie vor in Konstantinopel residierende Herrscher des vormaligen oströmischen, nunmehrigen byzantinischen Reiches, der „zweite“ Kaiser hatte zu diesem Zeitpunkt einen wesentlichen Bestandteil seiner auf der Apenninen-Halbinsel im 6. Jahrhundert noch unter Justinian – pikanterweise gleichfalls unter dem Siegel einer als Erneuerung und Wiederherstellung alter Herrlichkeit verklärten Konzeption – zurückeroberten Gebiete, namentlich das Exarchat von Ravenna, erst unlängst verloren geben müssen (s. Abb. 1 u. 3). Und somit erheblich an allgemeiner Reputation eingebüßt.
Bekanntermaßen war jedoch die Lebensdauer des ungeteilten Fränkischen Reiches begrenzt. Die Regelungen des Vertrags von Verdun 843 ließen stattdessen ein Westfränkisches, ein Mittleres und ein Ostfränkisches Reich entstehen. Als im 10. Jahrhundert die Karolinger und nach ihnen die Konradiner selbst Geschichte waren, knüpfte die sächsische Adelsdynastie der mit den Liudolfingern identischen Ottonen wiederum an die Idee eines erneuerten Imperium Romanum allein für ihr Herrschaftsgebiet im Osten des ehemaligen Fränkischen Reiches an. Einschließlich des auch als Reichsitalien bekannten Unterkönigreichs Italien (Regnum Italiae). Wobei konkret unter Reichsitalien das alte Territorium Langobardia Maior mitsamt dem Dukat von Spoleto abzüglich Korsikas zu verstehen ist (s. Abb. 2 u. 5). Auch Otto I., der Große, sah sich selbst als Nachfolger der römischen Kaiser der Antike und zugleich als weltliches Oberhaupt der Christenheit, als er im Jahr 962 in Rom vom Papst gekrönt worden ist. Von der einmal eingeschlagenen ideellen Marschroute sind danach die Herrscherdynastien der Salier, die im romanischen Dom zu Speyer ihre Grablege gefunden haben, und die Staufer nicht mehr abgewichen.

1. Die verschiedenen Phasen langobardischer Landnahme in Italien von 568 bis 751.

2. Das Königreich der Langobarden zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung 751. Unter Berücksich-tigung der inneren territorialen Gliederung und der Aufteilung in eine nördliche Langobardia Maior (dunkelgrün) und eine südliche Langobardia Minor (hellgrün).

3. Im Vergleich zu dem Gebiet, in dem die Langobarden im frühen 8. Jahrhundert die Vorherrschaft ausgeübt haben (lila), nehmen sich die byzantinischen Positionen (rotbraun) inzwischen bescheiden aus. Rom ist mit dem Exarchat von Ravenna noch immer durch den byzantinischen Korridor entlang der ab 220 v. Chr. zur Zeit der mittleren Republik angelegten Via Flaminia verbunden.

4. Die Entwicklung des Fränkischen Reiches unter den Merowingern und Karolingern von 481 bis 814. Die im Vertrag von Verdun 843 vorgenommene Dreiteilung hat noch nicht stattgefunden.

5. Es ist gut zu erkennen, dass Reichsitalien bzw. das Königreich Italien innerhalb des Heiligen Römischen Reiches mitnichten die gesamte Appeninen-Halbinsel umfasst hat. So hat es in dem Jahr ausgesehen, als Otto I. in Rom zum Kaiser ernannt worden ist.
Ist es vor dem skizzierten Hintergrund daher gerechtfertigt von einer Fremdherrschaft der Sachsen, Salier und Staufer über Italien zu sprechen, wie es lange üblich gewesen ist? Man sollte sich trotz der unabweisbaren Faktenlage wie des organisierten Widerstandes nicht weniger aufstrebender norditalienischer Städte an die Worte Machiavellis einige Jahrhunderte später erinnern, in denen er auf die Zeit vor Otto I. Eingreifen südlich der Alpen gemahnte: „So befand sich das Land in einer unendlich betrüblichen Lage, da der nördliche Teil unter den Ungarn zu leiden hatte, der südliche unter den Sarazenen.“ Ottos entscheidendem Sieg auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 war es schließlich zu verdanken, dass die Plünderungszüge der mit technologisch ausgefeilten Kompositbogen mit überlegenem Wirkungsgrad ausgestatteten Ungarn nach vielen Jahrzehnten Leids und Unglücks plötzlich aufhörten. Davon profitierte auch Reichsitalien. Südlich davon lagen die Dinge anders. Die bis heute andauernde Zweiteilung der Halbinsel in ein eher prosperierendes Nord- und Mittelitalien und einen überwiegend darbenden Süden, den Mezzogiorno, hat somit vor langer Zeit begonnen sich zu verfestigen.
Konflikte
Trotz Pippinischer Schenkung, trotz mehrfacher militärischer Beistandsleistung (s. o.), wofür man ein hohes Maß an Dankbarkeit veranschlagen sollte, gestaltete sich das Verhältnis zwischen Papst und Kaiser beileibe nicht konfliktfrei. Insbesondere nicht während des von 1050 bis 1250 andauernden Hochmittelalters. Ihren einem breiten Publikum geläufigen Tiefpunkt haben die generationenlangen Auseinandersetzungen während des um Fragen nach dem Recht zur Einsetzung von Bischöfen und Äbten kreisenden Investiturstreits zwischen Papst Gregor VII. und König Heinrich IV. gefunden. Letzterer musste sich schließlich mitten im Winter 1077 zum vielzitierten Bußgang nach Canossa auf den Weg machen.
Im Kern ging es also darum auszuloten, in welchem Verhältnis weltliche und geistliche Macht sich zueinander befinden: die Zweischwerterlehre. Besagter Papst Gregor VII. hat dazu im „Dictatus Papae“ ausgeführt: (…) Darüber hinaus verlangt jeder christliche König, wenn er seinem Ende entgegensieht, flehentlich und erbarmungswürdig nach der Hilfe des Priesters, um dem Kerker der Hölle zu entrinnen, um aus der Finsternis in das Licht zu gelangen, um von den Sündenfesseln befreit vor Gottes Gericht zu treten. Welcher Priester oder auch Laie aber hat, wenn er den Tod erwartete, für sein Seelenheil je den irdischen König um Hilfe angefleht? Welcher König oder Kaiser kann einen Christen kraft des ihm aufgetragenen Amtes durch die heilige Taufe der Gewalt des Teufels entreißen und unter die Kinder Gottes einreihen und mit heiligem Öl firmen? Und was das Wesentlichste am christlichen Glauben ist: Wer von denen ist imstande, mit eigenem Mund Leib und Blut des Herrn aufzunehmen, oder wem von ihnen ist die Gewalt gegeben, zu binden und zu lösen im Himmel und auf Erden? Daraus ergibt sich deutlich, mit welch großer Gewalt die Priesterwürde ausgezeichnet ist. Oder wer von ihnen kann jemanden in der heiligen Kirche zum Geistlichen weihen, geschweige denn ihn wegen einer Schuld absetzen? Denn innerhalb der kirchlichen Weihen ist es eine höhere Gewalt abzusetzen als zu weihen. Bischöfe nämlich können andere Bischöfe weihen, aber niemals ohne Ermächtigung des Apostolischen Stuhls absetzen. Wer also – er wäre denn ein schwach Gebildeter – kann daran zweifeln, dass die Priester den Vorrang vor den Königen haben? Wenn also Könige für ihre Sünden von Priestern zu richten sind, von wem anders als vom römischen Papst sollen sie vernünftig gerichtet werden? (…)
Barbarossa
Es liegt nahe das südwestdeutsche Adelsgeschlecht der Staufer mit der von Barbarossas Vater Friedrich I., Herzog von Schwaben, um das Jahr 1070 herum erbauten Burg Hohenstaufen (s. Abb. 6 u. 7) in der Nähe der heutigen Stadt Göppingen verbinden zu wollen. Geradezu von einer Stammburg ist in der Literatur häufiger die Rede. Dabei kann von einer gesicherten Anwesenheit des um das Jahr 1122 irgendwo im Elsass geborenen nachmaligen Kaisers Rotbart nur anlässlich eines Aufenthalts im Jahr 1181 gesprochen werden. In diesem Zusammenhang ist es nachweislich um die Ausstellung einer Urkunde für ein im benachbarten Kloster Adelberg befindliches Prämonstratenserstift gegangen. Mithin der Heimstatt eines nach der Augustinusregel lebenden, sechzig Jahre zuvor von Norbert von Xanten gegründeten, ursprünglich den Idealen von Armut und Bedürfnislosigkeit verpflichteten Ordens.

8. Kyffhäuserdenkmal in Thüringen: Kaiser Friedrich I. Barbarossa.
Die spärlichen Informationen über die frühen wie die zu widersprüchlichen Interpretationen Anlass gebenden Nachrichten hinsichtlich der späteren Lebensjahre des hochmittelalterlichen Herrschers stehen in auffallendem Kontrast zur Popularität, ja legendenhaften Überhöhung, mit der ihm nachfolgende Generationen, vor allem im 19. Jahrhundert begegnet sind. Hier ist etwa an die sich im 1896 eingeweihten thüringischen Kyffhäuserdenkmal manifestierende Vorstellung vom aus langem Schlaf erwachenden landesweit wirksamen, zur Einheit aufrufenden Hoffnungsträger zu erinnern. Einer geradezu mythischen Gestalt.
Zwiespältig auch die Erinnerung, die anderenorts, namentlich im reichsitalienischen Teil des Heiligen Römischen Reiches an den Stauferkaiser gepflegt wurde. Bisweilen heute noch gepflegt wird. Wohlwollendes Gedenken, wie es in Städten wie Pavia oder Lodi stets auf der Tagesordnung war, hat sich mit unverhüllten Ressentiments wie sie ihm zahlreiche Einwohner Mailands, zeitweise auch Roms, entgegenbrachten, abgewechselt. Warum war das so?

9. Relief Barbarossas aus dem 12. Jahrhundert von der alten Porta Romana in Mailand.

10. Bald nach der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden: Goldbulle des thronenden Barbarossa mit Krone, Reichsapfel und Lilienzepter auf der Vorderseite. Auf der Rückseite ist eine Ansicht der Stadt Rom mit Kolosseum zu sehen.
Auf eine allgemeine Formel gebracht, kann man davon sprechen, dass Barbarossa und der Papst – zumal wenn es aufgrund eines Schismas mehr als einen gab – eine schwierige Beziehung zueinander pflegten. Deutlich werden die Schwierigkeiten beispielsweise anhand einer kleinen, nur scheinbar nebensächlichen Episode, wie sie sich laut Liber Pontificalis im Juni 1155 zwischen Papst Hadrian IV. und dem nordalpinen Gast auf dem Weg zur Kaiserkrönung wegen einer Kommunikationspanne wie folgt zugetragen haben soll: „Der König gelangte mit seinem Heer in das Gebiet von Sutri und schlug bei Grassano sein Lager auf; der Papst aber begab sich in die Stadt Nepi und wurde am folgenden Tag – viele deutsche Fürsten mit einer großen Anzahl Kleriker und Laien gingen ihm entgegen – mit seinen Bischöfen und Kardinälen freundlich zum König bis zu seinem Zelt geleitet. Als aber der König dem Papst den nach altem Brauch üblichen Stratordienst nicht leistete, wandten sich die Kardinäle, die mit ihm gekommen waren, verwirrt und sehr bestürzt ab und zogen sich nach Cività Castellana zurück, während der Papst beim Zelt des Königs blieb. Der Herr Papst stieg, da er völlig fassungslos und unsicher war, was er tun sollte, verstimmt vom Pferd und setzte sich auf einen eigens vorbereiteten Thronsessel.
Jetzt warf sich der König vor ihm zu Boden, küßte ihm die Füße und wollte sich ihm dann zum Friedenskuss nähern. Doch der Papst erwiderte sogleich: „Da du mir jenen Ehrendienst verweigert hast, der mir von alters her geschuldet wird und den deine Vorgänger und rechtgläubigen Kaiser zu Ehre der Apostel Petrus und Paulus meinen Vorgängern, den römischen Bischöfen, bis in unsere Zeit nach Gewohnheit geleistet haben, werde ich dich nicht zum Friedenskuss empfangen, bis du meinem Anspruch Folge geleistet hast.“ Der König aber antwortete, dass er dies nicht tun müsse.
Das Heer blieb an dem genannten Ort, und der ganze folgende Tag verging unter verschiedenen Gesprächen über diese Angelegenheit. Schließlich fragte man die älteren Fürsten und insbesondere jene, die König Lothar III. zu Papst Innozenz II. begleitet hatten und untersuchte sorgfältig den alten Rechtsbrauch; nach deren Bericht und aufgrund alter Urkundenzeugnisse wurde kraft Fürstenurteil beschlossen und mit gemeinsamer Zustimmung des gesamten königlichen Hofes bekräftigt, dass der König zur Ehre der heiligen Apostel dem Papst Hadrian den Stratordienst leisten und ihm den Steigbügel halten solle. Anderntags wurde das königliche Lager in das Gebiet von Nepi verlegt, an den See, der Janula heißt. Dort zog der König Friedrich ein kleines Stück voran, wie von den Fürsten befohlen; als der Tross des Herrn Papstes sich näherte, ritt er ihm entgegen, stieg vom Pferd und ging auf ihn zu; vor den Augen des Heeres leistete er ihm einen Steinwurf weit mit voller Ehrerbietung den Stratordienst und hielt kräftig den Steigbügel. Erst dann gab der Papst dem König den Friedenskuss.“
Es fällt uns heute schwer die erhebliche Bedeutsamkeit zu erkennen, die in der Handlung besagten Stratordienstes liegen soll, ein fremdes Pferd am Zügel zu führen. Doch im Mittelalter lagen die Dinge eben anders. Die persönliche Ehre (honor) war eines der höchsten Güter überhaupt. Da gab man – im vorliegenden Fall der Papst – sich gerne höchst empfindlich. Nur wenige Jahre danach entzündete sich ein weiterer Konflikt zwischen demselben Papst Hadrian IV., eines Engländers, und Barbarossa an der Frage der korrekten Übersetzung des Begriffes „beneficia“. Eine Übertragung des lateinischen Wortes in die deutsche Sprache mit „Lehen“ ließ den unvorteilhaften Eindruck entstehen, der Kaiser sei ein nachgeordneter Dienstmann des Papstes, was wiederum die heimischen Fürsten um ihre Stellung und Privilegien, insbesondere dasjenige, den Kaiser allein durch ihre Wahl zu bestimmen, fürchten ließ. Und dementsprechend auf den Plan brachte. Freilich, der Höhepunkt der Animositäten war damit immer noch nicht erreicht. Eine 1360 vom Kaiser nach Pavia einberufene Synode endete schließlich, nachdem sein Vorgänger im Amt Hadrian IV. (s. o.) am 1. September 1159 angeblich an einer Fliege im Wein erstickt war, mit der Exkommunikation von Papst Alexander III. Der ließ sich nicht lumpen und exkommunizierte seinerseits den Kaiser sowie den kurz zuvor neu eingesetzten Gegenpapst Viktor IV. Erst 1177 beim nach intensiven Vorverhandlungen möglich gewordenen Friedensschluss in Venedig wurde Barbarossa nach vorheriger Ableistung eingeforderter Ehrendienste (s. o.) und der Anerkennung Alexanders III. wieder als Sohn der Kirche angenommen.
Insgesamt nicht weniger als sechs Italienzüge zwischen 1154 und 1186 haben die Regierungszeit des ersten Stauferkaisers entscheidend mitgeprägt. Natürlich ist es dabei nicht nur um den Austrag von Konflikten zwischen dem höchsten weltlichen und geistlichen Würdenträger im Abendland gegangen. Vielmehr haben auch handfeste ökonomische Interessen eine gewichtige Rolle eingenommen. Sie haben ihren Ausdruck etwa bei der kontroversen Beantwortung der Frage gefunden, wem die aus bestimmten Hoheitsrechten, den Regalien, generierten Einkünfte schlussendlich zustehen würden. Durfte eine Stadt wie das prosperierende, einen enormen Anstieg der allgemeinen Geschäftstätigkeit verzeichnende Mailand Einkünfte aus Zoll und Hafenzoll oder dem Münzregal, das heißt dem Recht Gewinne aus der Münzprägung für sich zu verbuchen, für sich behalten? Barbarossa beantwortete die Frage dergestalt, dass er gemeinsam mit dem ihm 1158 noch freundschaftlich verbundenen Herzog von Sachsen und Baiern, Heinrich dem Löwen, ein kampfkräftiges Heer vor den Mauern von Mailand aufmarschieren ließ. Mailand musste sich den Wünschen des Kaisers unterwerfen, ohne dass es schon diesmal zum Äußersten gekommen wäre. Wenige Jahre später, 1162, hatte die Stadt in der Lombardei ihre Karten endgültig überreizt. Nicht zuletzt auf Betreiben verfeindeter Gemeinden wie Pavia, Como, Cremona und Lodi wurde seitens des Kaisers ihre Zerstörung initiiert.
Die Zeitgenossen wurden Zeuge davon, wie sich neben der höchsten geistlichen Autorität, dem Papst, allmählich ein weiterer Machtfaktor, derjenige der in einem Bündnis vereinigten norditalienischen Städte zu etablieren begann. 1167 formierten sich Bergamo, Brescia, Cremona, Ferrara und Mantua zum Lombardischen Städtebund. Ein neuartiges Gegengewicht, dass gegenüber allzu selbstherrlichen Allmachtsphantasien Kaiser Barbarossas seine wohlverstandenen Eigeninteressen wirkungsvoll zu vertreten verstand, war damit auf den Plan getreten.

11. Cappenberger Porträtbüste Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus vergoldeter Bronze. Entstanden um 1160.
Was Barbarossas Ende betrifft: Sein tragischer Tod 1190 in einem kleinasiatischen Fluss während des Dritten Kreuzzuges hat dazu geführt, dass bis in unsere Gegenwart hinein über den Ort des Begräbnisses nur spekuliert werden kann. Ob nun Ertrinken oder ein Herzinfarkt todesursächlich waren, von den Knochen des frisch Verblichenen heißt es, sie seien zur letzten Ruhe ins Heilige Land verbracht worden.
Wie es mit den Staufern unter Kaiser Friedrich II. schließlich weiterging, davon handelt der bald kommende Beitrag.
Bildnachweis © 1 DaniCBP, CC BY 4.0, unverändert; 2 Wario2, CC BY- SA 4.0, unverändert; 3 Nicolas Eynaud, CC BY-SA 3.0, unverändert; 4 William R. Shepherd, gemeinfrei; 5 Shuaaa2, CC BY 4.0, unverändert; 6 Presseamt Stadt Göppingen, gemeinfrei; 7 Sun-collector, CC BY-SA 3.0, unverändert; 8. Holger Eberle, CC BY-SA 3.0, unverändert; 9 Girardus oder Umkreis – Wuselig, gemeinfrei; 10 Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – Deutsche Digitale Bibliothek, CC BY-SA 4.0, unverändert; 11 Montecappio, gemeinfrei.