Der Zeitrahmen
Wo das Spätmittelalter endet, beginnt die frühe Neuzeit. Im englischen Sprachraum als early modern period bezeichnet. Doch wann jahresgenau das ist, scheint sich nach wie vor erfolgreich einer allgemein verbindlichen Festlegung zu entziehen.
Im nie versiegenden Strom der wissenschaftlichen Diskussion gilt manchen Experten Gutenbergs eine wahre Medienrevolution auslösende Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern unter Zuhilfenahme der von ihm gleichfalls um das Jahr 1450 herum innovativ ersonnenen Druckerpresse als Epochengrenze. Dass andere Fachleute dagegen die Eroberung von Byzanz 1453 durch die expansiven Osmanen ins Feld führen, scheint bei der Suche nach dem Ende des Spätmittelalters auf den ersten Blick keinen wirklichen Unterschied zu machen. Im Ergebnis wird eben ein nahezu gleichzeitiges politisches, schlagartig territoriale Besitzverhältnisse veränderndes Ereignis für aussagekräftiger befunden als nach und nach seine Wirksamkeit entfaltender technischer Fortschritt. Doch der ultimative Fall des einst so mächtigen, um die Mitte des 15. Jahrhunderts lediglich nur noch gegenüber früheren Zeiträumen ein Schattendasein führenden Byzantinischen Reiches verweist uns zusätzlich eben auch darauf, dass in Genua oder Venedig beheimatete Handelsschiffe den Bosporus nicht mehr durchfahren konnten, um wie zuvor am Schwarzen Meer gelegene Zugangspunkte zur Seidenstraße zu erreichen. Begehrte Luxuswaren aus Ost- und Südostasien wie Seide, Damast, Brokat, aber auch beliebte Gewürze wie Muskat oder Pfeffer gelangten daraufhin nur noch unter größeren Schwierigkeiten und dementsprechenden Aufschlägen bei Zöllen und weiteren Gebühren ins westliche Abendland. Darin ist neben dem Versuch sich bietende ökonomische Chancen und Möglichkeiten wahrzunehmen der augenfällige Anlass für den bald darauf erfolgenden Beginn des Zeitalters der Entdeckungen gegeben. Zunächst vorangetrieben von der portugiesischen und spanischen Krone. In deren Diensten stehende Geographen, Nautiker und Navigatoren verfügten entgegen späterer Mythenbildung über hinreichende Kenntnisse bzw. belastbare Berechnungen die Kugelgestalt der Erde betreffend, so dass eine Umrundung auf dem Meer grundsätzlich machbar sein müsste. Zumal mit der schnell segelnden Karavelle ein erprobter Schiffstyp zur Verfügung stand. Das Betreten der Inselwelt des amerikanischen Kontinents 1492 durch den eigentlich eine Schiffspassage nach Asien in Westrichtung, konkret nach Indien, anstrebenden Kolumbus gilt demnach als weiteres Datum, mit dem das Mittelalter in den Augen so mancher ein Ende gefunden hat. Damit noch immer nicht genug! Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 gegen den Missbrauch des Ablasses und gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen gerichteten Thesen höchstpersönlich an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt haben (s. Abb. 3), womit nach landläufiger Vorstellung die Reformation eingeleitet worden ist. Ob sich dieses Ereignis tatsächlich genau so zugetragen hat, ist nicht unumstritten. Andererseits wissen wir, dass an demselben Tag die 95 Thesen im lateinischen Original unter dem Titel Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum (= Erörterung zur Klärung der Kraft der Ablässe) tatsächlich brieflich erstmals in Umlauf gebracht worden sind. Und zwar in der als Einblattdruck bekannten Form eines Folioblattes in zwei Spalten aus der Presse des seinerzeit in Wittenberg ortsansässigen Druckers Johann Gronenberg. Was wiederum Gutenbergs eingangs erwähnte Erfindung voraussetzt.

1. Dem Erfinder der Buchdruckerkunst, Johannes Gutenberg, gewidmete Gedenkmünze aus dem Jahr 1840.

2. Wandgemälde aus dem Archäologischen Museum Istanbul, das die seewärts gerichteten Befestigungsmauern von Byzanz im letzten Jahrhundert vor der osmanischen Eroberung zeigt.

3. Ob die Reformation tatsächlich mit einem Hammer eingeleitet worden ist? Jedenfalls hat man sich im 19. Jahrhundert diese bildliche Vorstellung davon gemacht.
Ob nun 1450, 1453, 1492 oder 1517 als das jeweils maßgebliche Datum zu betrachten ist, an dem präzise das Spätmittelalter sein Ende gefunden hat, lässt sich offensichtlich nicht widerspruchsfrei entscheiden. Der Übergang zur frühen Neuzeit um das Jahr 1500 herum ist vielmehr als fließend anzusehen.
Einige für das Spätmittelalter, welches 1250 im Todesjahr des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. seinen das Hochmittelalter beendenden Anfang genommen hat, charakteristische Erscheinungen und Merkmale werden nachfolgend näher vorgestellt.
Vom Vergehen und Wiederaufblühen der Städte
Der Limesfall 260, der gleichfalls mit etlichen Verwüstungen einhergehende Rheinübergang von Alanen, Sueben und Vandalen am Silvestertag 406, die Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustulus und das damit verbundene Ende des Weströmischen Imperiums 476 sowie die allgemeinen Wirren der bis 568 andauernden Völkerwanderungszeit waren allesamt Ereignisse die dem Funktionieren und Wohlergehen der antiken römisch geprägten Stadtkultur in den Provinzen ganz erheblich geschadet haben. Wo wie in gar nicht so wenigen Fällen die Verwaltungsstrukturen nicht gänzlich zusammengebrochen waren (z. B. im südlichen Gallien), konnten sie nur unter größten Anstrengungen der jeweiligen lokalen Bevölkerung wenigstens teilweise aufrecht erhalten werden. Welche Instanz etwa sah sich darüber hinausgehend in der Pflicht bzw. war dafür zuständig das von den Römern so vorbildhaft konstruierte und viele Länder durchquerende Straßennetz in Schuss zu halten und zu warten? Keine!
Gleichwohl ist das Städtewesen nicht gänzlich kollabiert. Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) und Trier (Augusta Treverorum) sind heimische Gegenbeispiele. Der hier vor Ort angehäufte Wohlstand wurde immerhin für so bedeutsam erachtet, dass die Wikinger im 9. Jahrhundert gleich mehrfach beide Städte überfallen und geplündert haben. Der totale Kulturbruch hat jedenfalls nicht überall – wie lange angenommen – stattgefunden. Urbanes Leben hat auf bescheidenerem Niveau bei reduzierter Einwohnerzahl sowie mit einem beträchtlichen Bedeutungsverlust als Zentrum des Handels und der handwerklichen Produktion versehen auch im Frühmittelalter durchaus immer noch stattgefunden. Im Zweifelsfall wurden innerhalb der umgürtenden Mauerringe ungenutzte Flächen wie neu entstandene Brachen zum Weiden von Vieh genutzt, heidnische Tempel in christliche Kirchen umgewidmet, öffentliche Bauwerke als Steinbruch missbraucht.

4. Noch heute sind im Kölner Stadtteil Altstadt-Nord originale Relikte der in der Mitte des 1. Jahrhunderts (frühe römische Kaiserzeit) entstandenen Stadtmauer zu sehen. Das Innere besteht aus Gußmauerwerk (opus caementicium) und das Äußere ist mit Ziegelsteinen verschalt.
Östlich des Rheins und nördlich der Donau gilt dieser Befund so natürlich nicht. Hier hat es vom 4. bis zum 7. Jahrhundert keine größeren Siedlungen, die man als Stadt bezeichnen könnte, gegeben. Was sich erst mit dem expansiven Vorrücken des fränkischen Reiches unter Karl dem Großen im späten 8. und dann im 9. Jahrhundert geändert hat. Neben kalter Machtpolitik ist es um missionarische Bestrebungen (Sachsenmission), das heißt den bisherigen Heiden den christlichen Glauben zu oktroyieren, gegangen. Die in diesem Kontext erfolgende Anlage von Bischofssitzen hat sich als eine Keimzelle mittelalterlicher Stadtbildungsprozesse erwiesen. Selbst wenn die Informationen nicht so üppig sprießen wie es wünschenswert wäre, können wir im Falle Paderborns einige der Etappen nachzeichnen. Im Jahr 777 hat hier in der lateinisch als patris brunna bezeichneten Siedlung an den Paderquellen eine erste von in den folgenden 22 Jahren fünf weiteren Reichsversammlungen stattgefunden. Unter dem Vorsitz von Karl dem Großen, der in seiner Paderborner Pfalz ein Jahr vor der 800 in Rom erfolgenden Kaiserkrönung den um Hilfe und Schutz nachsuchenden Papst Leo III. beherbergt hat. Der Baubeginn des ersten – später dann zerstörten – Doms und die Begründung des Paderborner Bistums, dem 822 das Münzrecht verliehen worden ist, fallen ebenfalls in diese Zeit. Während der Herrschaft des bis 936 regierenden römisch-deutschen Königs Heinrich I. aus dem Geschlecht der Liudolfinger ist gegen die immer wieder ins Ostfränkische Reich einfallenden und marodierenden Ungarn zu Verteidigungszwecken eine Bürgerwehr entstanden. Was nichts weniger als das Bestehen eines mittlerweile bestehenden offiziellen Stadtrechts voraussetzt.

5. Grundrisspläne wichtiger Sakral- und Profanbauten des 8./9. Jahrhunderts in Paderborn.

6. Mauerzüge der ab 776 errichteten karolingischen Pfalz in Paderborn.

7. Vorzüglich erhalten: Die 1017 auf dem Gelände der Paderborner Pfalz erbaute Bartholomäuskapelle gilt als älteste die basilikale Konzeption mit erhöhtem Mittelschiff negierende Hallenkirche des nordalpinen Raums.
Zum allmählichen Ende des Frühmittelalters hin, grob gesprochen um das Jahr 1000, begann sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in Europa nachhaltig zu verbessern. Die Erträge in der Landwirtschaft wuchsen erheblich, nachdem sich die gegenüber der althergebrachten Zweifelderwirtschaft den Ackerboden schonendere Dreifelderwirtschaft zusehends großflächig durchzusetzen begann. Was bedeutet, dass im rhythmischen Wechsel ein Teil der zum Anbau zur Verfügung stehenden Fläche stets brach lag, also allenfalls als Weide genutzt wurde, während die beiden übrigen Drittel zur Aussaat von Wintergetreide und einer Sommerfrucht reserviert waren. Die zunehmende Verbreitung wassergetriebener Mühlräder, die Verwendung des eisernen Rad- statt des hölzernen Hakenpflugs sowie die Möglichkeit unter Zuhilfenahme eines neuartigen Geschirrs, des Kummets, Pferde anstelle von Ochsen als Zugtiere zu nutzen, sind weitere Meilensteine auf dem Weg zu einer neu aufgestellten, ertragreicheren Agrarwirtschaft gewesen. Alles unter dem nachgewiesenen Einfluss besonders günstiger klimatischer Bedingungen. Sie werden von Paläoklimatologen als die Ausdehnung der Getreidewirtschaft bis nach Norwegen und in die Bergwelt Schottlands begünstigendes mittelalterliches Klimaoptimum hervorgehoben.
Ganz offensichtlich hat es im Verlauf des Mittelalters eine damit in unmittelbarer Korrelation stehende erhebliche Zunahme des Bevölkerungswachstums in Europa gegeben. Da es selbstredend keine amtlichen Statistiken gegeben hat, unterliegen einschlägige Schätzungen einer erheblichen Schwankungsbreite. Dennoch zeichnet sich für das Jahr 1000 ab, dass zwischen 24 und 38 Millionen Menschen auf dem alten Kontinent gelebt haben, während es vor der Großen Pest 1348 um das Jahr 1340 herum zwischen 54 und 80 Millionen gewesen sein dürften. Im Extremfall ist es somit innerhalb von 340 Jahren zu einer Verdoppelung oder gar einer Verdreifachung der Bevölkerung gekommen.
Was im Rahmen der seit Generationen eingespielten Feudalherrschaft für die in weiten Teilen untertänige Landbewohnerschaft bedeutete, erheblichen Zwängen in Form von Abgaben und Dienstpflichten unterworfen zu sein. Ein eklatanter Mangel an Freizügigkeit durch lebenslanges Gebundensein an die Scholle war gewiss zum Leidwesen vieler darin mit eingeschlossen. Da mochte das aufblühende, einen liberaleren Geist atmende Städtewesen für diejenigen, die mit einigem handwerklichen Geschick ausgestattet waren, eine höchst willkommene Alternative in Form eines Fluchtpunktes bilden. Ein in diesem Zusammenhang oft gehörtes, allseits geläufiges Sprichwort lautet daher: „Stadtluft macht frei.“

8. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das in Bayern gelegene Nördlingen 898 als karolingischer Königshof. Im Jahr der Verleihung der Stadtrechte 1215 wurde die erste – im Grundriss noch immer sichtbare – Stadtmauer errichtet. Die Luftaufnahme macht deutlich, dass es sich um eine Rundstadt mit radialer Erweiterung handelt.

9. Eine der ältesten Stadtansichten von Lüneburg aus dem Jahr 1445. Die mauerbewehrte Hansestadt verdankte ihren Aufstieg als Ausgangspunkt der nach Lübeck führenden Alten Salzstraße.
Einen der angestrebten Fluchtpunkte hätte die hierzulande während des Hoch- und Spätmittelalters mit einigem Abstand bevölkerungsreichste Stadt Köln am Rhein bilden können. Im 15. Jahrhundert lebten hier sehr wahrscheinlich zwischen 40.000 und 45.000 Menschen. Auf einem Siedlungsareal, das nach der dritten, von 1180 bis 1259 andauernden Erweiterung inzwischen auf 401 Hektar angewachsen war. Zum Vergleich: Die an demselben Ort angelegte antike Colonia Claudia Ara Agrippinensium ist noch mit einem Viertel (96 Hektar) ummauerter Fläche ausgekommen. Nach Köln folgten als nächstgrößere urbane Gebilde auf dem Staatsgebiet des heutigen Deutschland Nürnberg, Lübeck und Magdeburg mit Einwohnerzahlen, die sich bei rund 25.000 bis 30.000 bewegt haben dürften. Um die 20.000 lebten in Augsburg, Erfurt und Braunschweig, um die 15.000 in Bremen, Hamburg, Ulm und München, mehr als 10.000 in Rostock, Stralsund und Lüneburg (s. Abb. 9). Wohl ein wenig unter dieser Marke, aber immer noch veritable Städte waren Aachen, Münster, Soest, Frankfurt am Main, Regensburg und Trier. Zusammenfassend lässt sich ohne Übertreibung sagen: Die heimische Stadtentwicklung hat damals rasante Fortschritte gemacht. Gemessen in absoluten Zahlen sind die demographischen Größenordnungen wie sie in Venedig, Genua, Mailand, Florenz und Palermo oder in spanischen Städten wie Cordoba, Sevilla und Granada schon vor der Reconquista Realität waren, erst recht nicht von Paris, bei weitem nicht erreicht worden.

10. Blick aus der Freiburger Altstadt auf das Schwabentor. Der Torturm als Teil der Stadtbefestigung wurde um 1250 erbaut.
Dass es in mittelalterlichen Städten bei guter Konjunktur möglich war ansehnliche Reichtümer anzuhäufen, ist beileibe kein Geheimnis. Wer als Besucher schon einmal in Venedig war, dem wird die Einsicht nicht verborgen geblieben sein, dass mit Fernhandel erhebliche Gewinne zu erzielen waren. Und zwar schon lange bevor die Renaissance Einzug gehalten hat. Was dabei leicht übersehen wird, ist die Tatsache, dass der Ursprung des Wohlstands weniger im Handel als vielmehr im Gewerbe zu suchen ist. Noch in unserer Gegenwart gültige Straßennamen wie Gerber- oder Tuchmachergasse verschaffen Aufschluss darüber, welchen Berufen und Tätigkeiten vor Jahrhunderten nachgegangen worden ist. Mit Blick auf das überaus prosperierende Flandern hat der belgische Historiker Charles Verlinden die Frage „Kaufleute oder Weber?“ recht eindeutig beantwortet: „Die Industrie ist der eigentliche Grund der demographischen Veränderung, in deren Folge es zur Entstehung und Entwicklung der flämischen Städte kam. Der dortige Handel ging aus der Industrie hervor, und nicht umgekehrt.“ Wobei unter Industrie Tuchmacherei, sprich Textilverarbeitung zu verstehen ist. Ein analoger Befund gilt für Augsburg, wenn man auf die Anfänge der geradezu als Synonym für Reichtum geltenden Familie Fugger schaut. Nämliche Anfänge sind verbunden mit dem Ortswechsel des Webermeisters Hans Fugger von Graben nach Augsburg im Jahr 1367. Ausweislich des Augsburger Steuerbuches. Im angestammten Beruf als Weber ist er in der Zunft aufgestiegen. Erst dann hat er, von der hohen Nachfrage nach einem speziellen Mischgewebe, dem Barchent, profitierend, sein Geschäft mehr zum Textilhandel hin ausgebaut.
Die ersten Universitäten
Was eine Universität überhaupt ausmacht, hat der Schweizer Soziologe und Altphilologe Walter Rüegg zu Beginn der 1990er Jahre – auch gegenwärtig noch immer zutreffend – wie folgt betont: „Die Universität ist eine, ja die europäische Bildungsinstitution par excellence: Als Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden, ausgestattet mit besonderen Rechten der Selbstverwaltung, der Festlegung und Ausführung von Studienplänen und Forschungszielen sowie der Verleihung öffentlich anerkannter akademischer Grade ist sie eine Schöpfung des europäischen Mittelalters. (…) Keine andere europäische Institution hat wie die Universität mit ihren überlieferten Strukturen und ihren wissenschaftlichen Leistungen in der ganzen Welt universale Geltung erlangt. Die Titel der mittelalterlichen Universität, Bakkalaureat, Lizenziat, Magistergrad, Doktorat, werden in den unterschiedlichsten politischen und ideologischen Systemen anerkannt.“
Was zu der Frage führt, wie viele dieser universale Geltung erlangenden Schöpfungen des Mittelalters es denn seinerzeit insgesamt gegeben hat. Gegen Ende des für diesen Beitrag maßgeblichen Zeitraums um 1500 – bevor die Reformation Pate für eine neue Gründungswelle stand – gab es in Europa genau 66 Universitäten. Geographisch nicht gerade homogen verteilt, verfügten Länder wie Schweden, Dänemark, Polen und Portugal jeweils nur über eine einzige, während das heutige Vereinigte Königreich nicht mehr als fünf vorweisen konnte. Der Löwenanteil konzentrierte sich mit elf derartiger der höheren Bildung und Wissenschaft verpflichteter Einrichtungen in Spanien, 13 in Italien, 16 im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und 17 in Frankreich.
Zuerst ging es für alle Studenten an die Fakultät der Freien Künste (Artes Liberales). Hier wurden Grammatik, Rhetorik, Dialektik (=Trivium) sowie Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (=Quadrivium) gelehrt. Erst danach ging es im Falle eines Falles weiter zur Spezialisierung an die juristische Fakultät, wo nahezu ausschließlich gemäß der tatsächlichen Bedarfe Zivil- und Kirchenrecht unterrichtet wurde. Oder man ging an die medizinische Fakultät. Entsprechend der geistig-mentalen Verfassung der Zeit bildete schließlich die Theologie das vom allgemeinen Ansehen her unübertroffene non plus ultra. Mehr Möglichkeiten gab es nicht.

11. Logo der Universität Heidelberg. Lateinischer Text: s: universitatis studii heydelbergensis (= Siegel der Universität Heidelberg.
Die Anfänge der neuartigen, mit dem Aufblühen des Städtewesens eng verbundenen Institution liegen in Italien, und zwar in Bologna. Die dortselbst 1088 gegründete Universität war weithin berühmt für ihre im Recht vermittelten Kenntnisse. Das Territorium des heutigen Deutschland betreffend, dauerte es noch bald 300 Jahre bis zur Gründung der Universität Heidelberg 1386. Es folgten danach Köln, Erfurt, Würzburg, Leipzig, Rostock, Greifswald, Freiburg im Breisgau, Ingolstadt, Trier, Mainz und Tübingen bis 1477. Die Initiative zur Gründung mochte dabei zunächst privater Natur sein, war aber stets mit der Einräumung landesherrlicher Privilegien nach zuvor zumeist erfolgter päpstlicher Genehmigung aufs engste verknüpft.
Meine nächsten Beiträge werden das Thema „Mittelalter“ weiter unter die Lupe nehmen. Geplante Titel lauten „Die Stadt Lübeck im Mittelalter“, „Die Hanse“, „Der Deutsche Orden als Motor der Ostkolonisation“ und „Mittelalterliche Rathäuser: Ausdruck des Bürgerstolzes“.
Bildnachweis © 1 Berlin-George, gemeinfrei; 2 en:User:Argos’Dad, CC BY-SA 3.0, unverändert; 3 Ferdinand Pauwels, gemeinfrei; 4 Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, unverändert; 5 Athde, CCO, unverändert; 6 Athde, CCO, unverändert; 7 Tsungam, CC BY-SA 4.0, unverändert; 8 – http://vermessung.bayern.de/opendata, CC BY-SA 3.0, unverändert; 9 – Mahrt/Prien /Peruß: Lüneburg. Stadt und Land zwischen Elbe und Heide. Husum 1995. S. 2, gemeinfrei; 10 Mister No, CC BY 3.0, unverändert; 11 Universität Heidelberg, gemeinfrei;